„Echt? So eine bist du?“ Teil 1/5

CN Glaube/Christentum offen bekennen

Der gesamte Text ist so lang, dass ich ihn als Mehrteiler einstellen werde. Die Teile sind unter Umständen sehr unterschiedlich lang, aber ich wollte die einzelnen Unterthemen nicht unnötig trennen. Die ersten drei Teile bilden hier eine Art Einleitung, ab Teil vier kommt es dann zum eigentlichen Anlass dieses Beitrages. Um den zu verstehen, war es mir aber wichtig, euch einen Einblick in die Hintergründe zu geben.

Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Lieber Gott mit Glitzer

Teil 2: Gott ohne Glitzer

Teil 3: Christ sein – eine Jugendsünde?

Teil 4: Corona und Christentum I

Teil 5: Corona und Christentum II

Teil 1: Lieber Gott mit Glitzer

Ich bin Christin.

So weit, so unspektakulär möchte man meinen. Deswegen steht es auch offen in meinem Blog. Den aber und dessen bin ich mir bewusst, lesen nur sehr wenige und von diesen wenigen Lesern kennen mich die meisten „real“ und sehr nahe und wissen es daher ohnehin schon.

Warum ich diesen Satz oft vermeide und nun doch einmal ganz bewusst in den Raum stelle, möchte ich euch heute erzählen.

Wobei, ehrlich gesagt, will ich mir das in erster Linie von der Seele schreiben. Ob ich diesen Text je veröffentliche, lasse ich mir noch offen.

Ursprünglich war dieses hier als Twitter-Thread gedacht. Da ich aber vor dem eigentlichen Threadthema viel über meine Hintergründe klarstellen wollte, wurde es deutlich zu lang. Außerdem wird mein Blog ja eh sehr vernachlässigt von mir.

Ich bin Christin.

Als kleines Kind hieß das für mich, daran zu glauben, dass es einen lieben Gott gibt.

Ich hatte drei Bibeln einer wohl recht beliebten Kinderbibelreihe, deren Name ich aber nicht weiß. Ich kannte sie quasi auswendig und habe es geliebt diese mit meiner Mama zu lesen.

Es hieß auch für mich, dass der liebe Gott, auf Schecky (Pferd) aufpasst und auf Opa im Himmel. Es hieß, einen Gott zu haben, der mich lieb hat, auch wenn ich mal was Doofes gemacht habe.

Es hieß in Ferien bei Oma und Opa (der, der nicht im Himmel war) mit Oma in die große Kirche zu gehen, wo die Stimmen alle so toll klangen beim Singen, zu bewundern, wie toll meine Oma singt und zu staunen, wie viele Lieder sie auswendig kannte.

Der liebe Gott hilft mir auch wenn es mal schwierig wird und macht Dinge möglich, die ich alleine nicht schaffen kann. Das war damals meine Überzeugung. So dankte ich als Kind schon Gott dafür, dass ich Laufen gelernt habe, trotz meiner Diagnose und den anderslautenden Prognosen der Ärzte.

Klingt naiv? Ja, als Kind ist man naiv. Deal with it!

Meinte ich damit, dass Gott mir Dinge in den Schoß legt? Nein, schon damals nicht. Ich hatte die Unterstützung von diversen Menschen, habe mehrere riskante Operationen sehr gut überstanden und auch selbst viel geübt.

Trotzdem war und bin ich ihm dafür dankbar.

Später stellte ich fest, dass andere Kinder meines Alters „getauft“ waren. Ich sah es im Fernsehen, hörte es von Freunden oder anderen Kindern.

Ich war es nicht. Aus unterschiedlichen Gründen.

Obwohl ich bis dahin kein kirchlicher Mensch gewesen war (nichtmal an Weihnachten war meine Familie regelmäßig im Gottesdienst), fühlte es sich so an, als würde mir etwas fehlen.

Also wünschte ich mir getauft zu werden und bekam mit 10 Jahren diesen Wunsch auch erfüllt und ich durfte mich vor vielen lieben Menschen in der Kirche zu meinem Glauben „bekennen“.

Erstmals fiel mir auch auf, dass Menschen davon redeten, nicht an Gott zu glauben/Atheist zu sein. Ich verstand weder, warum sie darüber redeten, noch wie man nicht an Gott glauben konnte. Aber okay, letztlich war es mir egal.

Andere Menschen wiederum erzählten, dass sie ihre Gemeinde bräuchten, um ihren Glauben „ausleben“ zu können. Das verstand ich genauso wenig. Wozu brauche ich andere Menschen, damit Gott da ist? Aber auch das war okay für mich.

Immernoch steckte mein Glaube in den Kinderschuhen. Immer präsent, aber auch immer im Hintergrund und mit viel Glitzer.