„Siebenmal Meer“ – Eine etwas andere Rezension

Liebe Leser,

ich habe mich jetzt wieder einige Zeit nicht mehr gemeldet, tut mir leid! Zwar habe ich in letzter Zeit weiter geschrieben, aber eher im privaten Bereich oder lediglich Entwürfe, bei denen ich nicht weiterkomme.

Heute aber möchte ich euch über ein Buch berichten, das ich vor kurzem las.

An dieser Stelle ein herzliches Willkommen an einige neue Leser, die wahrscheinlich nur aus diesem Anlass hier gelandet sind. Ich hoffe, euch gefällt, was ihr hier lest. Wer mag, ist herzlich eingeladen, Leser des Blogs zu bleiben, alte Beiträge zu lesen und gerne auch zu kommentieren, wo er möchte.

Ich freue mich über jeden einzelnen von euch, ob „alter Hase“ oder neu dazu gestoßen, ganz gleich, ob es ein einmaliger Ausflug hierher ist oder ihr mir erhalten bleibt.

Zurück zum Beitragsthema:

Es wird keine klassische Rezension, weil es in diesem Blog ja um mich und meine Gesundheit gehen soll. Die „alten Hasen“ wissen das. Außerdem enthält so eine Kritik oft mehr oder minder Spoiler und die finde ich schwierig und werde versuchen, sie ein Stück weit zu vermeiden.

Ich möchte mich nicht zu sehr vom eigentlichen Grund des Blogs entfernen und ich denke auch, dass sich beides gut vereinen lässt.

Lasst mich also, bevor ich zu dem Buch komme, um das es hier heute gehen soll, ein wenig darüber sagen, warum ich etwas darüber schreiben möchte und was das mit meiner Gesundheit zu tun hat.

Für die Neuen: Ich leide u.a. an Depressionen und einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung. Des Weiteren dissoziiere ich recht häufig, wenngleich nicht immer gänzlich. All dies führt neben anderen Dingen auch dazu, dass ich mich sehr schlecht konzentrieren kann. Und wenn ich sehr schlecht sage, meine ich sehr schlecht. Bei der letzten Testung, die an einem eher guten Tag stattfand, lag ich bei etwa 30% vom Normwert. Außerdem habe ich Gedächtnislücken, mal mehr mal weniger stark ausgeprägt. Leider wirkt sich das bei mir auch meist auf das Lesen aus.

Vor ein paar Jahren war ich noch eine totale Leseratte. Ich las sehr unterschiedliche Bücher, verschlang sie geradezu und träumte mich in fremde Welten. Ich war eine von diesen nervigen Personen, die nach einer Buchverfilmung sagen „Aber das Buch war besser, Detail ABC war im Film nicht zu finden und das ist wichtig, weil, …“

Davon bin ich heute weit weg. Offen gesagt, ich weiß nicht, wann ich – vor dem Werk, von dem ich heute berichten möchte – das letzte Mal ein Buch vollständig gelesen habe.

Nicht, dass es keine Versuche gegeben hätte, denn ich habe mannigfaltige versucht zu lesen. Ich weiß, dass ich das wieder neu trainieren muss, weil ich es so lange nicht mehr getan habe. Die Konzentration und die Fähigkeit die Wörter zu lesen, zu verstehen und zu behalten wird nicht von alleine wieder in der Form zurückkommen, wie ich sie einmal mir zu eigen machen konnte.

Von Sachbüchern über Komödien, Krimis, (Psycho-)Thrillern, Liebesromanen, Pferdebüchern zu den Lieblingsbüchern vergangener Tage, selbst die Bibel war ein Versuch, wieder in die Welt des Lesens einzutauchen.

Egal wie interessant das Buch war, wie gespannt ich auf neue Welten war, wie sehr mich das Thema interessierte oder der Klappentext fesselte oder wie sehr ich emotional daran hing oder wie positiv es in meinem Kopf verknüpft war, keines konnte ich (vollständig) lesen.

Ob dick, ob dünn, ob komisch oder ernst, es war nicht ein einziges dabei, das ich geschafft hätte durchzulesen. Bei den meisten kam ich nicht über die ersten 10 Seiten.

Hier stapeln sich also Bücher, in die ich mich so gern wieder verkriechen wollen würde und starren mich gefühlt vorwurfsvoll an, während ich mich nach diesem Ventil sehne.

Folglich überlege ich mir jedes Buch, welches ich mir neu kaufe oder auch von anderen wünsche, doppelt und dreifach. Bücher, das wissen alle, die viel lesen, kosten einfach auch zurecht einiges an Geld und ich will keines verschwenden.

„Siebenmal Meer“ von Alia O. Feyh habe ich mir trotz alledem gekauft.

Die Autorin, das sei an dieser Stelle aber nur am Rande erwähnt, ist für mich der Grund gewesen, mich auf Twitter anzumelden. Sie ist für mich also eine Art „Promi“.

Seit ich von der Veröffentlichung des Buches wusste, war es auf meinem Wunschzettel fest gespeichert, aber so richtig konnte ich mich zu dem Zeitpunkt nicht überwinden es auch zu bestellen. Zu groß war die Angst, dass auch dieses Werk auf dem Stapel der nicht gelesenen Bücher landete.

Nun hat sie allerdings schon das nächste Werk angekündigt und auch das interessiert mich sehr. Also wagte ich es und bestellte mir das Buch.

So saß ich am 13. November nachmittags in meinem Lieblingssessel (Ja, es ist immer noch derselbe Sessel, der auch in „Erden“ eine Rolle spielt) und packte das Buch aus dem Päckchen aus, das ich wenige Minuten vorher überreicht bekommen hatte.

Leicht gewellt war das Buch. Das ist für mich tatsächlich eher unangenehm. Ich habe als Schülerin einige Jahre in der Lehrmittelbücherei gearbeitet. Dort habe ich einiges über Bücher gelernt und einiges an Schäden gesehen und repariert.

Ich bin bei Büchern wirklich sehr eigen. Während viele sich freuen, dass ein Buch „Spuren“ bekommt, weil man dann sieht, dass es auch wirklich „geliebt“/“benutzt“ wurde, möchte ich lieber ein Buch dreißig Mal lesen können und es sieht noch exakt aus wie vorher. Abnutzung ist also möglichst zu vermeiden.

Leihe ich dir also mal ein Buch aus, weißt du damit zwei Dinge:

  1. Ich mag dich und vertraue dir sehr. Ich verleihe Bücher extrem selten.
  2. Du solltest mit dem Buch extrem vorsichtig umgehen, auch wenn es dir pedantisch erscheint.

Ich sah mir das Buch näher an und war beruhigt. Es schien kein wirklich ernsthafter Wasserschaden zu sein. Meine Vermutung ist eher, dass die Feuchtigkeit beim Transport das Problem war.

Also begann ich zu lesen: „Siebenmal Meer“ von Alia O. Feyh (2020).

Ich wusste im Vorfeld über das Buch, dass es sich um sieben Kurzgeschichten handelt, die irgendwie miteinander und mit dem Meer zusammenhängen.

„Meer“ finde ich als Küstenkind schon ziemlich gut und ich dachte, dass Kurzgeschichten vielleicht wirklich leichter für mich zum „Lese-Start“ sein könnten.

Ich gebe zu, ich hatte ein bisschen das Gefühl wie in der ersten Klasse, wenn man die ersten Geschichten selber gelesen hatte und dann sein erstes eigenes „Leselöwen“-Buch bekam.

Zugegebenermaßen kam dieses Gefühl auch auf, weil das Buch, das dann vor mir lag, eben auch dünn und klein war und die gedruckten Seiten gefühlt wenig Text enthielten. Die Zeilen waren angenehm weit auseinander und die Nummerierung der Geschichten bzw. Kapitel übersichtlich. Allerdings gibt es hier eine doppelte Nummerierung, die mich anfangs verwirrte. Ich gebe zu, wirklich verstanden habe ich sie erst nachdem ich das komplette Buch gelesen habe. Zumindest denke ich, dass ich es jetzt verstanden habe. Vor dieser Erkenntnis allerdings hat mich die teilweise unterschiedliche („falsche“) Nummerierung ein kleines bisschen in den Wahnsinn getrieben.

Das alles (wenig Text, kleines Buch, tolle Autorin, Inhalt klang interessant) führte dazu, dass ich gern begann zu lesen.

Aber so weit war ich schon bei anderen Büchern gekommen. Die Angst schwang auf den ersten Seiten noch sehr mit, dass es mit diesem Buch genauso enden würde, wie mit vielen anderen vor ihm.

Aber schon im ersten Kapitel war ich vollständig abgetaucht in die Atmosphäre, die die Autorin mit wenigen gezielten Worten schafft. Dabei zaubert sie nicht nur die verschiedenen Stimmungen, die in diesen sehr unterschiedlichen Kapiteln jeweils vorherrschen, sondern erschafft Figuren, die alle mehrschichtig zu sein scheinen.

Zusammenfassend kann ich sagen: Es gibt nur eine einzige Figur, die aus meiner Sicht in allen sieben Geschichten nicht sowohl positive als auch negative Elemente vereint. Sicher, ich sehe und verstehe die Gründe, aber eine Figur ist für mich von A bis Z unsympathisch. Aber das ist bestimmt auch nur meiner persönlichen Meinung geschuldet.

Wie gesagt, ich mag keine Spoiler, auch nicht andeutungsweise, aber sie gehören zu einer Rezension dazu und ich möchte doch auch etwas zu den einzelnen Kapiteln und Figuren sagen. Auf die Handlung selbst werde ich dennoch versuchen weniger eingehen. Vielmehr möchte ich darstellen, wie die Charaktere auf mich in den einzelnen Kapiteln gewirkt haben und wie die Kapitel miteinander zusammenhängen. Wer absolut gar keinen Ausblick haben möchte, dem sei an dieser Stelle gesagt: Absolute Leseempfehlung, viel Spaß damit!

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Für alle anderen:

Im ersten Kapitel kommen im Wesentlichen zwei Personen vor, wovon nur eine, Joris, Protagonist im weiteren Buch ist. Er trifft auf ein namenloses Mädchen, als er eigentlich alleine sein möchte und gerät in Streit mit ihr.

Ich gestehe, dass ich beide Figuren nicht mochte, so sehr ich es auch versuchte. Beide nervten mich, trotz einer gewissen Parallele zwischen mir und Joris. Wir haben beide dieselbe „Macke“, aber anders ausgeprägt. Absolutes Konfliktpotenzial. Ich wusste, würden Joris und ich uns im realen Raum begegnen, hätten wir ein großes Problem miteinander, trotz allem Verständnis für den anderen. Hier zeigt sich für mich die Vielschichtigkeit, mit der die Schriftstellerin die Figuren erschafft.

Daran, wie sehr mich die beiden Figuren nervten, merkte ich, wie ich in das Buch eintauchte, Zuschauer dieser total seltsamen Situation wurde und sich die beiden Figuren auch im Laufe des Kapitels veränderten. So schätzte ich beide anfangs als deutlich älter ein, als sie dann später benannt wurden.

Schnell flüchtete ich mich in das zweite Kapitel, in der Hoffnung, dort eine Figur zu finden, die mir sympathischer war. Ich war dankbar, dass es sich um mehrere Kurzgeschichten handeln sollte und nicht um eine lineare Geschichte. Ich hatte Erfolg.

In diesem Kapitel gibt es im Grunde genommen nur eine einzige handelnde Person. Wobei „Handlung“ hat dieser Abschnitt eher wenig zu bieten, da die hier vorkommende Figur eher ihren Gedanken nachhängt. Hier begegnet dem Leser eine Ärztin, die das Meer aufsucht, um die Erlebnisse mit einer Patientin Revue passieren zu lassen. Obwohl sie in einer ganz anderen Situation ist als ich und ihr auch ein anderer Charakter geschaffen wurde, konnte ich mich sofort in ihre Lage versetzen und darüber nachdenken, wie ich mich fühlen würde, würde ich in ihrer Haut stecken.

Beruhigt durch das zweite Kapitel sprang ich in die dritte und für mich schwierigste Geschichte des Buches. Bis hierhin hatte ich in einem Rutsch durchgelesen und sogar mein Handy ignoriert, das sich mehrmals in der Zeit bemerkbar gemacht hatte. (Ja, ich gehöre für gewöhnlich zu denjenigen, die ihr Handy eigentlich bewusst ausschalten müssen, um nicht ständig abgelenkt zu werden.)

Hier aber ging es richtig zur Sache oder um es ganz deutlich zu sagen: Der Leser wird hier Zeuge eines schaurigen Verbrechens.

Schon um mich selbst etwas abzulenken, fragte ich mich, wie diese Geschichten wohl zusammenhängen sollten, denn das war jetzt die dritte von sieben und noch sah ich keinen Zusammenhang. Ich bin aber auch manchmal schwer von Begriff.

Ich schwankte zwischen dem Wunsch, das Kapitel nicht weiter lesen zu „müssen“, weil für mich sehr schnell absehbar war, was passieren würde, und dem Drang, es schnell hinter mich zu bringen, damit ich im vierten Teil des Buches hoffentlich wieder Ruhe finden würde. Es war ein Wechselbad der Gefühle und ein wirklicher innerer Kampf für mich.

Erst während ich noch das vierte Kapitel las, meinte ich die erste Verbindung zu entdecken zwischen Kapitel zwei und drei. Der erste Abschnitt des Buches lag für mich am Anfang des vierten Kapitels weiterhin irgendwie gesondert da.

Hier traf ich mit Leonie auf eine Protagonistin, mit der ich wieder eine Gemeinsamkeit hatte: die Angststörung.

Ich gestehe, Leute (real wie fiktiv), mit denen ich solche Gemeinsamkeiten habe, haben bei mir erst einmal ein Stein im Brett, also mochte ich Leonie anfangs uneingeschränkt. Das würde sich erst an anderer Stelle ändern.
Durch ihre eigene Störung ist Leonie vielleicht sensibler, als Menschen ohne psychische Vorerkrankung und somit ist ihr Verständnis für ihren Gesprächspartner recht weit gefasst.

Am Ende des Kapitels war klar: Die Ähnlichkeit von Leonies Gegenüber zu Joris vom Anfang des Buches ist kein Zufall: Es ist Joris.

Allerdings versöhnte mich diese Begegnung etwas mit ihm, wenngleich ich bei dem Schluss bleibe, dass wir uns im echten Leben nicht gut verstünden.

Die Situation zwischen Joris und Leonie ist eine gänzlich andere als die im ersten Kapitel beschriebene Begegnung und eine deutlich harmonischere. Mit dem Nachgeschmack des vorherigen Kapitels kann ich einen gewissen negativen Schauder an ein oder zwei Stellen im Kapitel nicht leugnen.

Auch im fünften Kapitel begegnet der Leser wieder den beiden. Wieder ist es ein Kapitel, in dem eher wenig äußere Handlung passiert. Trotzdem lernt man beide Charaktere etwas näher kennen und kann bei beiden eine Persönlichkeitsentwicklung beobachten.

Leonie, die ich bei ihrem ersten Auftritt durchweg positiv wahrgenommen habe, bekommt für mich die ersten „Makel“, während Joris mir weiterhin eher sympathisch erscheint. Der Leser spürt die Dynamik zwischen den beiden, durch die exzellente Wortwahl der Schriftstellerin, ohne dass dafür große Aktivitäten von Nöten wären.

Das sechste Kapitel erschloss sich mir nicht gleich. Ich konnte weder erkennen, welche Funktion es für die Handlungsstränge haben könnte, noch wie es sich zeitlich einfügen sollte. Denn das hatte ich nun schon erkannt, die Zeitlinie ging nicht linear durch die Kapitel. Sie waren nicht chronologisch geordnet. Der Zusammenhang wurde mir erst klar, als auch hier Joris wieder auftauchte.

Nach dem dritten Kapitel war dieses für mich emotional das schwierigste.
Prinzipiell ist total klar, dass die in diesem Kapitel neu eingeführte Person des René (bzw. Hans) aus moralischer Sicht nicht fair handelt, auf verschiedenen Ebenen. Ich bin allerdings jemand, der nach Motiven fragt und die Handlungsweisen von Personen verstehen will, gerade in so eindeutig wirkenden Fällen. So ist beispielsweise die Verbindung zwischen Joris und Leonie nicht unbedingt moralisch einwandfrei, für mich jedoch unproblematisch.

Die Autorin versteht es auch hier subtil Hinweise zu geben, die das Verhalten von René begründen und damit entschärfen könnten. Ich bin in solchen Situationen schätzungsweise jemand, der viel Verständnis für die Situation eines Menschen aufbringen kann. Bisweilen wird mir nachgesagt, dass ich schon eher zu viel Verständnis für die Fehltritte meiner Mitmenschen zeige.

So wollte ich auch hier mit Verständnis an die Figur des René herantreten, zumal ich nicht beschwören könnte, nicht eine ähnliche Art an den Tag zu legen. Trotz dieser Hinweise und dem Umstand, dass ich René vielleicht ähnlicher bin, als mir lieb ist, bleibe ich bei dem Schluss, dass diese eine Figur für mich einfach falsch gehandelt hat und dass auch die gegebenen entschärfenden Gründe nichts daran verändern können. Für mich tritt keine „Schuldminderung“ ein.

Das letzte Kapitel las ich von Anfang an mit großer Trauer, denn nicht nur hatte man im sechsten Kapitel einige schwerwiegende Details über Joris Vergangenheit erfahren und die Erkenntnis gewonnen, dass man einiges davon schon im dritten Kapitel „wusste“ ohne es zu merken (oder ich war da eine Ausnahme?). Mir war auch klar, dass es das letzte Kapitel sein würde. Danach wäre das Buch schon zu Ende. Ich hatte es dann wirklich in einem Rutsch durchgelesen.

Das siebte Kapitel ist wieder für Leonie und Joris reserviert. Es rundet die Rahmenhandlung ab, mehr „Funktion“ ist hier nicht zu finden. Joris versucht, die neuen Erkenntnisse über sein Leben, die er von René bekommen hat, zu verarbeiten. Sein Verhalten jedoch schmälert meine Zuneigung für ihn wieder dezent.

Das ist nicht weiter von Belang, denn Leonie stört ihn ohnehin dabei, ohne es zu merken. Und auch wenn diese Störung eine durchaus positive Konsequenz hat, werden die Risse in meiner Sympathie für ihre Figur in dem Kapitel etwas tiefer. Es fällt mir schwer zu ertragen, dass sie die Zusammenhänge nicht in dem Maße sieht, wie ich glaube, dass ich sie an ihrer Stelle sehen würde.

So endet das Buch im Prinzip mit einem nicht kitschigen „Happy Ending“ und lässt mich trotzdem nicht mit einem uneingeschränkt positiven Gefühl zurück.

Im Gegenteil ist es eine Flut an Gefühlen gewesen, die mich nach dem Lesen des Buches übermannt hat.

Neben der Freude für Joris und seine Gefährtin, neben der Bewunderung für diese Autorin die es schafft ihre Worte gezielt einzusetzen und von deren Talent mit Worten zu spielen ich mir gerne eine Scheibe abschneiden würde, sind da noch andere Aspekte in mir.

Nicht nur, dass die Stimmungslagen in den Kapiteln sehr unterschiedlich waren, und der Leser von einem Gefühl ins nächste getrieben wird. Auch die Vielfältigkeit der einzelnen Charaktere macht es schwer, mit einem eindeutigen Gefühl aus dem Buch zurück in die Wirklichkeit zu treten. Das allerdings macht in meinen Augen „Siebenmal Meer“ nur noch genialer und lesenswerter.

Auch wenn Alia O. Feyh es geschafft hat, in erstaunlich wenigen Worten Charaktere zu schaffen, die weder „schwarz“ noch „weiß“ sind, sind es hier eben doch „nur Kurzgeschichten“, sodass ich als Leser mit einem gewissen Hunger nach mehr zurückgelassen wurde. Gern wäre ich noch tiefer in die Hintergründe einiger Charaktere getaucht. Hätte gerne erfahren, warum Joris seine „Macke“ entwickelt hat oder was zu Leonies Angststörung geführt hat. Auch Joris Mutter oder René hätte ich gerne kennengelernt.

Aber dann wäre aus der Sammlung von Kurzgeschichten ganz schnell ein dicker Roman geworden. Auch wenn ich nicht glaube, dass dieser unter der Feder von speziell dieser Schriftstellerin ein langatmiger geworden wäre, hätte es meine Fähigkeit, das Buch komplett zu lesen mindern können.

Denn auch das nehme ich aus diesem Buch mit: Ich kann es noch, dieses „lesen und in fremde Welten eintauchen“. Ich habe seit Jahren erstmalig ein vollständiges Buch gelesen. Ja, ein kurzes, aber es ist ein Anfang. Ein Erfolg, den ich in den letzten Jahren nicht verbuchen konnte. Wie am Anfang des Buches habe ich auch nach Beendigung des Lesens meinen „Leselöwen-Moment“. Ein wenig ist es, als hätte ich das erste Mal ein Buch ganz alleine gelesen.

Daher ist das wichtigste von allen Gefühlen, die das Buch bei mir hinterlassen hat, dieses: ehrlich empfundene Dankbarkeit.

Danke Alia O. Feyh für dieses wunderbare Buch und dafür, mit wie viel Hingabe hier mit Inhalt und Form gearbeitet wurde. Danke für dieses Erfolgserlebnis, das sich wie ein Meilenstein anfühlt.

Mein Fazit:

Das Buch ist eine absolute Pflichtlektüre und somit bekräftige ich hier meine unbedingte und absolute Leseempfehlung für jeden, der das Meer, ein wenig schräge Charaktere und Kurzgeschichten mag, die sich dann doch miteinander verweben.

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