Ein Tag – Zwei Perspektiven (Teil 1/2)

Teil 1: Der Tag für die Tonne – Warum bin ich nicht im Bett geblieben?

Kennt ihr das, wenn ihr morgens mit einem diffusen unguten Gefühl aufwacht, obwohl es keinen erkennbaren Grund dafür gibt und ihr am liebsten wieder ins Bett steigen würdet?

Vielleicht war es nur eine laut zuknallende Autotür, die euch geweckt hat, statt eures Lieblingssongs, den ihr im Wecker eingestellt habt. Oder ihr habt den Wecker gar nicht gehört und seid nur ein paar Minuten später aufgewacht als geplant. Oder ihr habt Bauchweh und verbringt etwas länger als geplant auf der Toilette?

Eben nichts „schlimmes“, aber nicht „perfekt“?

Kennt ihr das, wenn ihr diesem Drang dann aber nicht nachgebt und irgendwie durch den Tag hetzt und euch abends fragt, ob das jetzt wirklich nötig war und warum ihr diesem Drang nicht nachgegeben habt?

Solche Tage kennen wir bestimmt alle, oder?

Ich hatte dies letzten Freitag. In letzter Zeit schlafe ich ohnehin nicht sehr gut und eher wenig, weswegen mich gar nicht mehr wundert, dass ich nicht gut aus dem Bett komme und für die morgendlichen Vorbereitungen auch deutlich mehr Zeit brauche als üblich.

Daher stelle ich mir meinen Wecker mittlerweile auch etwas früher, als ich es „früher“ getan hätte.

Nun wachte ich Freitag auf mit Bauch- und Kopfweh. So weit, so normal. Im Moment besteht mein Frühstück aus 500mg ASS und Bauchschmerzen sind jetzt auch keine große Überraschung. Und trotzdem haben mich schon diese eher moderaten Schmerzen an diesem Tag aus dem Gleichgewicht gebracht.

Das „Mehr“ an Zeit, dass ich als Konsequenz auf der Toilette verbrachte, war nun leider auch länger, als ich eingeplant hatte und so stimmte mein Tagesplan gleich am Morgen nicht mehr. Kaum etwas stresst mich morgens mehr, als wenn Pläne nicht funktionieren.

Der Morgenspaziergang musste also etwas verschoben werden und für die morgendliche Hygiene musste ich mich etwas ranhalten.

An Freitagen mag ich das besonders wenig, da ich freitags morgens meine Therapiesitzungen habe. Wahrscheinlich ist das der Ort, an dem man mit am meisten Verständnis dafür hätte. Verständnis für „Tut mir leid, ich bin heute früh nicht aus dem Bett gekommen und daher etwas später dran.“ oder für „Duschen ging heute wirklich nicht.“

Aber diese Regeln gelten nicht für mich. Freitag ist morgens zu duschen oder mindestens am Donnerstag Abend und es werden saubere, ordentliche Klamotten angezogen.

Zu spät kommen ist für mich ohnehin ein spezielles Thema, das geht nicht. Nie, nirgendwo.

Glaubt mir, es wurde „trainiert“. Heißt, ich hatte nicht nur die Erlaubnis zu spät zu kommen, sondern sogar die Order dies zu tun. Mission impossible.

Was inzwischen manchmal geht, ist, zu privaten Verabredungen ein paar Minuten „zu spät“ zu kommen, wenn ich weiß, dass ohnehin nur eine grobe Uhrzeit angepeilt war. Selbst dann gibt es von mir meist vorab eine Nachricht, dass es sein könnte, dass ich zu spät komme.

(Fun Fact: es kam schon vor, dass ich nach einer solchen Nachricht 30 Minuten zu früh am Treffpunkt war.)

Also fuhr ich nach einer Katzenwäsche zu meiner Psychiaterin. Dadurch, dass ich etwas früher hinfuhr, um wenigstens dort noch ein paar Schritte zu laufen, bekam ich zumindest einen guten Parkplatz. Dass ich meine Wasserflasche vergessen hatte aufzufüllen, merkte ich aber leider zu spät.

Aber ich hatte immer noch Schmerzen und fühlte mich dreckig und ungepflegt, obwohl mir noch mehrere liebe Menschen an dem Tag das Gegenteil versicherten.

Wegen der aktuellen Hygienemaßnahmen warte ich aktuell vor der Praxis darauf, von meiner Ärztin rein geholt zu werden und gleich in ihr Zimmer zu können. Zwar gibt es dort auch ein Wartezimmer, aber natürlich herrscht in diesem Maskenpflicht und ich komme damit nicht gut klar, wenn es sich nicht gerade nur um ein paar Minuten handelt.

Auf die Gründe gehe ich eventuell in einem anderen Beitrag ein.

Nun stand ich etwa 20 Minuten vor der Praxis und wartete vergebens auf meine Ärztin. Innerlich wägte ich also ab, was zu tun war. Meine Beine schmerzten vom langen Stehen extrem. Lange konnte ich so nicht mehr stehen. Im Grunde genommen wunderte es mich, dass ich länger als 10 Minuten durchgehalten hatte. Was also tun? Auf die Bank um die Ecke setzen und riskieren, dass sie mich nicht sieht? Oder trotz der Wärme und meiner Probleme mit MNS ins Wartezimmer setzen?

Ich entschied mich für letzteres. Ein paar Minuten später kam dann auch die Ärztin zu mir und fragte mich, ob ich eventuell etwas Zeit mitgebracht hätte, da sie gerne einen Notfall vorziehen wollen würde. Ehrensache! Notfälle gehen vor, auch in der PIA (Psychiatrische Institutsambulanz). Wäre ich dieser Notfall, würde ich mich wahrscheinlich freuen, nicht noch lange im Wartebereich sitzen zu müssen.

Zwar hatte ich eine Verabredung, aber die war privater Natur, ich hätte sie ohnehin nicht mehr pünktlich einhalten können und es war eine andere Patientin, die sicher Verständnis hätte (und so war es auch).

So kam ich fast eine Stunde später als geplant in das Zimmer meiner Ärztin und konnte endlich dieses Stück Stoff vom Gesicht nehmen.

Die Stunde bei ihr verlief dann trotzdem eher zäh, ohne, dass ich erklären könnte, warum. Sie endete aber im Prinzip damit, dass ich mich noch rechtfertigte, warum ich trotz einer Verabredung dem Notfall Vorrang gegeben hatte.

In meinem Kopf ergänzte ich die Liste der Gründe, warum ich hätte Zuhause bleiben sollen um einen weiteren Punkt. Mein „Lichtblick“ war die erwähnte Verabredung mit meiner Freundin Angela.

Die verlief auch sehr angenehm, wenngleich viel kürzer als geplant, und Wasser brachte sie mir auch noch mit. Von dem Gespräch, das wir gemütlich in meinem Auto sitzend führten, bekam ich nicht so viel mit, weil ich in Gedanken schon bei meinem nächsten Problem war: Der Parkplatz.

Falls ihr jemals dumme Klischeewitze über Frauen und Parken gehört habt: Ich bin Schuld und zwar an jedem einzelnen davon. Ich kann nicht gut ein- oder ausparken. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich mit üben zugebracht habe (und noch zubringe), aber wirklich besser wurde es bislang nicht. Der Parkplatz vor der Praxis der PIA (mit benachbarter Tagesklinik) ist zudem eher eng, hat eine Schräglage und es gibt keine Markierungen, sodass die Menschen bisweilen sehr kreativ dort parken.

Der Versuch meiner Freundin, mich aus der Parklücke zu winken, scheiterte. Nun setzte wieder mein „Was würden andere Erwachsene jetzt tun“-Gedankengang ein. Ich kam zu dem Schluss, dass andere eventuell versuchen würden, jemanden nach Hilfe zu fragen. Das war für mich nicht wirklich eine Option.

Viel zu peinlich, zumal der einzige, den ich mich getraut hätte, zu fragen, mein Auto aus so einer Lage zu befreien, auch derjenige gewesen wäre, der das schon einige Male getan hatte. Peinlich hoch zehn sozusagen.

Herr M. sitzt in der PIA an der Anmeldung und ich bin überzeugt, dieser Mann kennt keine schlechte Laune. Immer freundlich, immer irgendwie lustig und positiv drauf, ohne dabei mit seiner guten Laune aufdringlich zu sein. Herr M. strahlt Sicherheit und Ruhe aus.

Ich mag ihn dafür sehr.

Ich erinnerte mich wieder daran, warum ich diesen Parkplatz eigentlich meide. Nächste Woche würde ich wieder weiter weg und dafür „sicher“ auf dem Parkstreifen der Nebenstraße parken, nahm ich mir vor.

Also Plan B: Warten, bis die betreffenden Fahrzeuge nicht mehr da waren und hoffen, dass es keine Tagesklinikpatienten waren. Ich verfluchte mich innerlich abwechselnd dafür, dass ich zu dumm war zum Parken, dafür, dass ich dort überhaupt geparkt hatte, wissend, dass das Ausparken ein Risiko war und dafür, dass ich nicht „einfach“ um Hilfe fragen konnte.

Meine Freundin musste mich dann irgendwann alleine lassen, dafür meldete sich meine Assistenzkraft Michaela bei mir.

Sie hatte morgens in dem Teil des Dorfes zu tun gehabt, in dem auch ich war und ich hatte ihr am Vortag zugesichert, dass ich sie von dort aus abholen würde. Busverbindungen auf dem Dorf sind ja eher suboptimal und wir wollten außerdem noch gemeinsam einkaufen und bei mir im Haushalt einige Dinge erledigen.

So teilte ich ihr mit, dass ich sie ja furchtbar gern abholen würde, aber irgendwie feststeckte.

„Hallo, schlechtes Gewissen, hallo Selbstvorwürfe, lange nicht gesehen.“ Manchmal macht so etwas mürbe und müde.

Inzwischen ging auch mein Handyakku langsam aber sicher runter. Aber wenigstens das konnte ich im Auto erledigen: das Ladegerät war immer dabei.

Als Michaela bei meinem Auto angekommen war, wollten wir einen weiteren Versuch starten auszuparken, da ich nun wirklich keine Lust hatte, bis um 16.00 Uhr dort zu stehen und sie war optimistisch, dass wir das zusammen hinkriegen würden. Auch sie winkt mich regelmäßig irgendwo heraus und herein.

In dem Moment, als ich den Motor starten wollte, gab allerdings die Autobatterie den Geist auf. So komplett. Mein Auto sagte keinen Ton mehr und das Handy war auch bei weitem noch nicht aufgeladen. Ein kaputtes Auto ist für mich ungefähr der „Super-GAU“ und das letzte Mal, dass ich mein Auto in die Werkstatt bringen und dort lassen musste, ist auch gar nicht so lange her.

Michaela schaffte es irgendwie meine Panikattacke wieder in den Griff zu bekommen und mir gut zuzureden. Nach einem kurzen Telefonat mit meiner Mutter, bestätigte sich mein Verdacht bezüglich der Batterie.

Durch die Pandemie hatte ich fast ausschließlich Dorffahrten unternommen, aber mein Handy regelmäßig aufgeladen. Mein Auto hat also seit Anfang März kaum Möglichkeiten bekommen, „Saft“ aufzuladen, war aber immer wieder gefordert welchen herzugeben. Dass das auf Dauer nicht gut gehen würde, war mir im Nachhinein klar. Ja, hinterher ist man irgendwie immer schlauer.

Wie praktisch, dass ich immer ein Fremdstartkabel im Kofferraum habe, seit ich mit meinem ersten Auto einmal eins gebraucht hätte, aber nicht dabei hatte. Wie unpraktisch aber, dass sich auch mein Kofferraum nicht überreden ließ, sich zu öffnen.

Jetzt musste ich also doch jemanden ansprechen, um Hilfe zu bekommen und diese Person musste nicht nur Willens sein mir zu helfen, sie musste auch ein Starthilfekabel verfügbar haben. Ich vernahm die Stimme der Tagesklinikleitung. Diese hatte ich im letzten Jahr kennen und sehr schätzen gelernt. Also ein guter Start für meinen „Hilferuf“. Leider vergebens. Er verwies mich aber an Herrn M. aus der Ambulanz.

Welch Überraschung. Wahrscheinlich hätte ich mir ein bis zwei Stunden Hintern plattsitzen im Auto und eine leere Batterie sparen können, wenn ich ihn schon früher angesprochen hätte.

An dieser Stelle würde ich gerne sagen, dass mir dies sicher eine Lehre für das nächste Mal (auf das ich verzichten kann) wäre, aber das wäre gelogen.

Und auch wenn ich Herrn M. mag und von einer weiteren Person bestätigt wurde, dass man ihn durchaus fragen kann, kostete es mich durchaus Mut ihn zu fragen.

Direkt zu fragen, ob er mir helfen könne, traute ich mich erst gar nicht. Ich fragte lediglich, ob er jemanden wisse, der über ein Starthilfekabel verfüge und mir damit Starthilfe geben könne.

Herr M. war ganz Herr M. Er schmunzelte und nickte „Ja, da kenne ich jemanden.“

So stand ich etwas hilflos vor ihm und wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Am liebsten wäre ich im Boden versunken. Etwas unsicher fragte ich nach, an wen er dabei dächte und hatte schon Angst, eine weitere, mir eventuell fremde Person, nach Hilfe fragen zu müssen.

Aber nein, ich hatte durchaus Glück. Herr M. hatte von sich selbst gesprochen und versprach, gleich sein Auto zu holen und zu helfen.

Erleichtert, dass zumindest das Problem mit der Batterie vorerst gelöst war, ging ich also zurück zu meinem Auto. Nun dachte ich noch daran, wie ich mein Auto selbst, wenn es wieder laufen sollte, je von diesem Parkplatz runterbekommen sollte. Denn auch das war klar: Ich musste fahren, sobald es gestartet war. Der Motor musste eine gewisse Zeit laufen und bestenfalls auch hochtourig fahren.

Zusätzlich dachte ich daran, dass ich auch noch einen Arzttermin vereinbaren musste. Das hatten meine Psychiaterin und ich abgesprochen, aber Begeisterung hatte diese „Idee“ nicht ausgelöst, zumal es ein fremder Arzt war in einer mir relativ fremden Stadt. Ich hielt diesen Termin für eher unnötig, vertraute aber meiner Ärztin, die ihn als zwingend notwendig erachtet. Ihr zuliebe hatte ich zugestimmt.

Wieder sehnte ich mich nach meinem Bett. Warum war ich gleich nochmal aus dem Haus gegangen statt mich unter meiner Decke zu verkriechen? Ach ja, weil es „vernünftig“ war. Ich bin, auch wenn ich lerne immer öfter auch auf mein Bauchgefühl zu hören, trotz allem ein sehr vernunftsorientierter Mensch. „Das ist vernünftig so.“ ist ein valides Argument in meiner Welt.

Herr M. riss mich mit seiner Hilfe aus den unerfreulichen Gedanken und mein Auto ließ sich ganz artig fremdstarten. Wie gut, dass ich morgens zumindest rückwärts eingeparkt hatte.

Nun traute ich mich, jetzt, wo er schonmal da war, sogar noch, ihn zu bitten, mir beim Ausparken zu helfen. Denn, auch wenn Michaela sicher war, mich dort rauswinken zu können und ich ihr das durchaus zutraute, traute ich mir nicht mehr zu, es aus der Parklücke zu schaffen und das Auto, welches neben mir parkte, sah neu und teuer aus. Mal ganz abgesehen davon, dass ich auch meines nicht beschädigen wollte.

Wahrscheinlich verstand Herr M. nicht wirklich, warum ich ein Problem damit hatte, übernahm aber freundlicherweise das Ausparken und wünschte uns beiden fröhlich ein schönes Wochenende.

Nun konnte ich also mein Auto wieder fahren und musste das auch eine Weile tun. Mein Angebot, Michaela einfach nach Hause zu bringen (immerhin hatte sie auch schon eine ganze Weile mit mir gemeinsam gewartet), lehnte sie dankend ab.

So fuhren wir gemeinsam noch eine ganze Weile über die Landstraßen und ich zeigte ihr bei der Gelegenheit ein paar Orte, an denen ich aufgewachsen war. Das bot sich an, weil in einem dieser Dörfer meine Autowerkstatt ansässig ist, bei der ich noch bezüglich einer neuen Autobatterie nachfragen wollte. Hier nannte man mir die groben Kosten einer neuen Batterie und den Zeitumfang, den es brauchen würde, um zu testen, ob diese nötig wäre. Allerdings gab es auch schon eine grobe Einschätzung, dass es wohl auf eine neue Batterie hinaus laufen würde.

In einem anderen Dorf unserer kleinen „Tour“ wohnte meine Mutter, bei der ich zumindest schnell noch etwas trinken und auf die Toilette gehen konnte.

Trotz dessen, dass das Ganze uns nun einige Stunden Zeit gekostet hatte und Michaela somit nicht früher, sondern deutlich später Zuhause sein würde, wollte sie an unserem Plan festhalten, den Haushalt und die Einkäufe hinter uns zu bringen. Ich hatte mich innerlich schon darauf eingestellt, dass das nicht klappen würde, wofür ich vollstes Verständnis gehabt hätte. Dieses Mal war ich allerdings so ausgelaugt vom Tag, dass ich ihr keine große Hilfe war und sie sogar den Einkauf ohne mich erledigen musste.

Als ich in meinem Auto auf dem Parkplatz saß und auf Michaela mit meinen Einkäufen wartete, war der erste Moment an diesem Tag, an dem ich wirklich allein zur Ruhe kam. In der Folge passierte das, was mir so oft passierte: Ich weinte. Nicht etwa, weil der Tag so anstrengend war, sondern aus Dankbarkeit. Plötzlich schossen mir all die guten Momente des Tages, die vielen hilfreichen Menschen in den Kopf. Neben der Freude über diese positiven Begegnungen über den Tag hinweg, hat Dankbarkeit in mir auch immer einen dunkleren Teil, aber dazu mehr im zweiten Teil meines Textes.

Es war also erst abends, als ich wieder Zuhause ankam und „Feierabend“ hatte.
Wieder bei mir angekommen, war der Plan: Essen kochen, gemütlich vorm Fernseher essen und danach direkt ins Bett gehen, denn ich war sehr müde.

Das Kochen war gut vorbereitet und daher kein großes Problem, obwohl ich wirklich ein Kochmuffel bin. Nebenbei telefonierte ich mit meinem Freund, der sich mein Gejammere über diesen Tag geduldig anhörte.

Als ich mich allerdings mit dem fertigen Essen in den Sessel setzen wollte, bemerkte ich, dass einer der Füße wieder einmal abgefallen war. Ich versuchte es müde, hungrig und entsprechend schlecht gelaunt selbst zu reparieren, ohne Erfolg.

An diesem Punkt hätte ich am liebsten geschrien und geheult. Stattdessen fragte ich eine liebe Nachbarin, ob sie mir helfen könne. Sie kam auch sofort mit ihrem Mann und platzierte provisorisch den Fuß wieder dort, wo er hingehörte.

Jetzt konnte ich endlich etwas essen, auch wenn es inzwischen etwas kalt geworden war.

Anschließend legte ich mich in mein Bett, dass ich an diesem Tag so oft vermisst hatte. Endlich! Endlich den Tag hinter mir lassen und mich dabei unter meiner Decke verkriechen.

Ich ließ den Tag noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren und ging jeden einzelnen Punkt durch, der schief gelaufen war.

Die Schmerzen und der Durchfall vom Morgen, das Verschieben müssen vom verabredeten Spaziergang, das Gefühl total ungepflegt zu sein, das sich bis zum Abend hin durchzog, weil die Zeit zum Duschen morgens fehlte.

Die Vorwürfe deswegen, dass ich nicht noch mehr Zeit eingeplant hatte. Schließlich hätte ich ahnen müssen, dass mir das passiert.
Dann das Vergessen meiner Wasserflasche, der viel kurz ausgefallene Spaziergang alleine, das Warten vor der Praxis und die damit verbundenen Schmerzen.

Das Verschieben müssen der Verabredung mit Angela, verbunden mit dem schlechten Gewissen, dass mich das etwas ärgerte, denn es war ja ein Notfall. Der Druck, dafür noch dankbar sein zu müssen, dass ich nicht der Notfall war und es in dem Moment einfach nicht sein konnte.

Die Vorwürfe mein Auto und die Parkplatzsituation betreffend und die Gedanken an die ungeplanten Kosten für die neue Autobatterie. Die Angst, dass mein Auto noch vor der neuen Batterie einmal wieder nicht anspringen könnte und Herr M. eventuell nicht zur Stelle wäre um zu helfen.

Mein Versagen, meine Assistenzkraft beim Einkauf zu begleiten, wissend, dass ihr Tag sogar noch länger und anstrengender war als meiner.

Der kaputte Sessel, dessen Reparatur ich viel zu lange schon aufschob, nicht nur aus Kostengründen und für den ich den gemütlichen Abend meiner Nachbarn noch gestört hatte.

Der Umstand, dass ich gefühlt den ganzen Tag Menschen um Hilfe anbetteln musste, obwohl ich es so schlimm fand, um Hilfe zu bitten und diese Menschen doch besseres zu tun hatten.

Wieder begann ich zu weinen.

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