Offener Brief an Herrn Minister Spahn

Diesen Brief habe ich in gekürzter Form heute auf meinem Instagram-Account (@hinatas_welt) veröffentlicht.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer wundervollen Instagramm-Challenge von Lena (@freudmich) entstanden unter #ichundmeinepsyche.

Die Aktion soll zur Aufklärung und Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten beitragen. Hier geht es um den dritten Teil der Challenge, mit dem Thema Unterversorgung. In Deutschland warten nämlich Patienten im Durchschnitt 19 Wochen, also fast 5 Monate, auf den Start einer Psychotherapie (Quelle: Psychotherapie Aktuell, DPtV 4.2017).
Wir – die Teilnehmer der Challenge – möchten den neuen Minister Jens Spahn auf diesen Missstand aufmerksam machen und hoffen, er macht sich stark für eine Verbesserung der Situation!

Hier also mein Brief an den Minister, der unter Quellenangabe auch geteilt werden darf.

Sehr geehrter Herr Minister,

ich will gar nicht eingehen auf die Aussage, weswegen man derzeit viel über Sie redet, sondern etwas von Ihrem Ressort Bereich aufgreifen.

Es heißt, man warte durchschnittlich 19 Wochen auf einen Therapiebeginn (Quelle: Psychotherapie Aktuell, DPtV 4.2017). Je nach Quelle mögen die Zahlen leicht variieren. Die Größenordnung ist oft ähnlich.
Ein Erstgespräch ist oft früher möglich, aber was bringt das denn, wenn keine Behandlung angeboten werden kann? Ein Gespräch, dass unter Umständen das Leiden sogar noch verstärkt, da Erinnerungen aufgewühlt werden.

Des Weiteren frage ich mich: Wo? Wo kommt man als nicht-Notfall bei einem niedergelassenen Therapeuten so schnell einen Therapieplatz?

In einigen Quellen heißt es dann, dass es in „ländlichen Gegenden“ unter Umständen schlimmer sein kann. Klar, ein Schnitt sagt ja auch, dass es teilweise schlimmer ist. Aber würden Sie eine Landeshauptstadt als „ländlich“ bezeichnen?
Meine erste Therapie habe ich nämlich als Jugendliche dort begonnen, das war wenn ich mich richtig erinnere 2008. Damals betrug die Wartezeit (wenn eine Warteliste überhaupt noch bestand) 8-12 Monate. Ein Jahr! Ich hatte großes Glück, früher dran zu kommen, aber das ist ein Einzelschicksal und soll Sie gar nicht kümmern.

Gut, 2008 ist eine Weile her. Nehmen wir 2018. Sehr aktuell oder? Mittlerweile wohne ich wohl „ländlich“, jedoch mit sehr guter Infrastrukur, gerade im medizinischen Bereich. Ein Krankenhaus, viele verschiedene (Fach-)Ärzte, kein 100-Seelen-Dorf.
Wir haben sogar zwei Institutsambulanzen. Eine davon nimmt nur noch größte Notfälle irgendwie auf, die andere meldete im Februar: Aufnahmestopp, Warteliste geschlossen – mindestens noch für den Rest des Jahres.

Aber nehmen wir mal an, das wäre so, denn die Quelle wird sich bei der Zahl was gedacht haben, dass 19 Wochen stimmen.
Wenn wir von 4 Wochen pro Monat ausgehen, sind das fast fünf Monate.

Sehr geehrter Herr Minister, hatten Sie schon einmal Schmerzen? Keine, für die Sie den Notruf wählen würden, aber rund um die Uhr und stark genug, dass Sie nicht in der Lage sind zu arbeiten und einen Arzt aufsuchen wollten, nicht nur für den „gelben Schein“, sondern für Hilfe?

Ich bin so frei anzunehmen, dass Sie das bestätigen würden.

Jetzt bitte ich Sie, sich vorzustellen, bei einem Arzt anzurufen und folgende Antwort zu bekommen:
„Herr Spahn, es tut mir leid, aber der erste Termin ist in etwa 5 Monaten. Wenn es gar nicht anders geht, kann ich Ihnen nur raten ins Krankenhaus zu fahren. Da wird man Ihnen zumindest kurzfristig, mit extrem langen Wartezeiten und evtl medikamentös gegen die Symptome helfen. Alles Gute!“

Keine schöne Vorstellung, oder? Soll ich Ihnen was verraten? Für den Arzt/Therapeuten auch nicht!

Sehr geehrter Herr Minister, Sie tragen keine Schuld an der aktuellen Situation, Sie sind neu!

Aber Sie haben jetzt die „Macht“, daran was zu verändern. Macht klingt toll, oder? Sie bringt aber auch Verantwortung mit sich.
Ich sage nicht, dass es leicht wird und nein, ich habe keine Idee, wie das gehen soll. Aber wissen Sie was? Ich bin auch nicht in Ihrem Job, sondern nur Sie. Sie sind zum Minister ernannt worden und ich unterstelle mal, dass das nicht ohne Grund passiert ist, sondern hoffentlich vor dem Hintergrund einer gewissen Qualifikation. Sie haben die Position auch angenommen. Bitte enttäuschen Sie uns nicht, Herr Minister.

Ich weiß nicht wie, aber Fakt ist: es muss sich etwas ändern, besser gestern als morgen!

Ich verbleibe mit bestem Dank und freundlichem Gruß

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